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Betäubt

Betäubt habe ich den Tag heute überstanden, ja, sogar ein wenig genießen können. Aber auch nur so - anders hätte ich es nicht geschafft. Nur dank der Tabletten hat mich die Verzweiflung nicht im Griff, lässt mich nicht permanent ins Schwarze stürzen, weinen und schreien.

Es war ein schöner Tag. Es war so... warm, so herzlich und stimmig. Es war vollkommen. Es wäre mein Glück. Und ich habe es von mir geworfen. Unbedacht, naiv und voreilig. Mein Glück rinnt mir wie Sand durch die Hände und so sehr ich auch will, so verzweifelt ich es auch versuche: Ich kann es nicht festhalten. Und das Schlimmste: Ich bin selbst Schuld!
Das macht mich völlig fertig. Ich habe noch nie einen so großen, schwerwiegenden und weitreichenden Fehler gemacht. Ich bereue es so sehr! Und zum ersten Mal habe ich nicht mehr die leiseste Möglichkeit etwas zu ändern. Mir kann auch niemand helfen. Selbst die nicht, die es gerne täten.
So betäubt kann ich die ganze Tragweite gar nicht fassen. Vielleicht ist das gut so.
Ich kann nicht verstehen wie ich so etwas tun konnte!!
Zweieinhalb Jahre lang litt ich unter meinem Job. Ich lebte nur für die Arbeit, alles was mir wichtig ist musste zurückstecken.
Und dann bekomme ich die einzigartige Chance zu wechseln: Weniger Stress, geregelte Arbeitszeiten,... ein Sechser im Lotto!
Und ich lasse mich aus einer Sentimentalität heraus dazu hinreißen, alles wieder rückgängig zu machen! Ich kann es nicht fassen... es wäre beruflich betrachtet mein größtes Glück gewesen! Die Grundlage dafür um wieder zu arbeiten um zu leben und nicht umgekehrt.
Mir fehlen eigentlich selbst die Worte.

Es sind noch fünf Tage, morgen müssen wir es den Kindern sagen. Dass ich gehe. Ich muss für etwas geradestehen was mich so sehr zur Verzweiflung bringt, dass es mir körperlich weh tut. Und dann werde ich wieder zurück müssen - in die Hölle mit Schichtdienst, ohne ansatzweise pünktlichen Feierabend, mit ständiger Rufbereitschaft und dem Abschied von allen Privatangelegenheiten. Und gleich im Januar muss ich eine Woche wegfahren auf Freizeit nach Tschechien. Ich könnte KOTZEN!!! Ich hasse es!! Und gerade in dieser Woche hätte ich Termine die mir so wichtig wären. Vor allem fliegt Xeni extra in dieser Woche von Großbritannien her. Wir werden uns nicht mal sehen können. Ich habe es ihr noch nicht gesagt. Überhaupt weiß sie noch gar nichts.

In acht Tagen ist Weihnachten. Nicht für mich. Ich habe noch gestern Mittag all meine schöne Weihnachtsdeko im Flug zusammen gesammelt. Für mich gibt es dieses Jahr kein Weihnachten. Mir ist nicht mehr danach.

Ich habe meine Chefin per eMail um ein Arbeitszeugnis gebeten. In ihrer Antwort schrieb sie, dass sie mich nicht versteht, dass ich keinen Realitätsbezug mehr habe und stellt meine Fachlichkeit in Frage.
Ich wollte nie, dass es so kommt. Ich weiß nicht, welcher Teufel mich geritten hat.
Ich weiß nur, dass ich nun die Konsequenz für mein falsches Verhalten tragen muss. Ich werde mir eine neue Stelle suchen. Ich weiß, dass das verdammt schwierig wird. Um überhaupt wieder im Kindergarten Fuß zu fassen müsste ich erst mal alle Fortbildungen zum Orientierungsplan auf eigene Faust nachholen.
Am Wochenden muss ich mich intensiv der Zukunftsplanung widmen!
Vor allem muss ich meine Gedanken ordnen. Mir spuken tausend Dinge durch den Kopf. Unter anderem sogar der Gedanke, wieder zu meinen Eltern zu ziehen. Nach über fünf Jahren süßer Unabhängigkeit.

Aber ich habe mir geschworen, dass ich aus meinem Fehler eines gelernt habe: Keine voreiligen Schnellschüsse mehr!
Ich möchte alles sorgfältig durchdenken.
Auch meine fristgerechte Kündigung müsste ich erst Mitte Februar abgeben.

Nun warte ich, bis mich die Betäubung der Tabletten in einen wenigstens scheinbar sorglosen Schlaf führt.
Morgen wird ein furchtbarer Tag. Durch die Info an die Kinder und die Eltern bekommt das Ganze eine letzte, grausame Endgültigkeit.
Manchmal denke ich, ich würde lieber sterben...

 

Warum musste das passieren?
Wofür werde ich bestraft?

 

16.12.09 21:56

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